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G.A.S-
station
Schein und Spiegelung, ein Relationspositionsprojekt
Positionen aus Kunst, Literatur und Wissenschaft
Eröffnung: 12. Oktober 2018
Schein und Spiegelung, G.A.S-station 2017 - Runde 01
Präsentation der ersten Runde: 24. November 2017, 19 Uhr
Besichtigungszeiten : 28.11.-5.12.2017, Di-Fr 14-18 Uhr

Mit Arbeiten von: Julia Schewalie - nylon#acrylic mirror, Objekte | Asenbaum/Stuck - Spiegel Schein, Sprachskulptur | Edin Bajrić - Spiegel und Licht, Fotografien | Michael H. Rohde - nietzsche haus, einstein haus, Fotografien | Helga Wimmer - Vor und hinter der Zeit - Zeitbilder und Zeiträume, Installation

Das 8. internationale, spartenübergreifende und themenspezifische Ausstellungsprojekt.

Schein und Spiegelung, ein Relationspositionsprojekt
Positionen aus Kunst, Literatur und Wissenschaft
Eröffnung der ersten Runde des Relationspositionsprojekts am 14. September 2017.

"Das Ganze ist nicht mehr als die Summe seiner Einzelteile, sondern etwas anderes!"

Das Relationspositionsprojekt bezieht sich auf diese These und soll mit seiner korrespondierenden Thematik Schein und Spiegelung den Zusammenhang zwischen relativen Bezügen und ihren Inter-pretationsmöglichkeiten durch den organisch wachsenden Entstehungsprozess sichtbar machen.

Schon allein das Wort Schein ist mehrdeutig, es kann als Glanz oder Lichtaura aufgefasst werden, aber auch als Trug, Betrug, vordergründig etwas vorzugeben, was sich bei näherer Betrachtung als substanzlos entpuppt. Täuschung, Blendung wird nicht nur im Tierreich als Verführungskunst angewandt, sondern findet gerade in unserer schnelllebigen Kultur und in Zeiten des Überangebotes überaus leichte Beute und ist gang und gäbe.

Spiegelungen faszinieren seit alters den Menschen. Fächerartig öffnet sich hier die Thematik, um nur einige Bedeutungsfacetten anzusprechen: das Sich-im-Spiegel-Erkennen wird biopsychologisch als Zeichen eines Ich-Bewusstseins gedeutet; in physikalischem Sinne ist eine Spiegelfläche ein Reflektor des Lichts; Spiegelung kann man als Mittel zur Reflexion und Erkenntnis auffassen oder darin eine Projektion des Selbst verstehen; betrachtet man sich im Spiegel ist man Beobachter und beobachtetes Objekt zugleich; fungiert der Spiegel oder das Smartphone oft als Durststiller des unermüdlichen Narziss; sieht man in den Spiegel, sieht man das Hinter-einem-Liegende und ist auch ein Blick in die Vergangenheit.

In unserem 8. internationalen, spartenübergreifenden Ausstellungsprojekt wollen wir Beitragende aus Kunst, Wissenschaft und Literatur einladen, diesen Themenkreis in einem wachsenden Prozess über einen Zeitraum von circa einem Jahr aufzufächern.

Eine literarische Skulptur setzt einen Ausgangsimpuls. Das Gedicht, das in den durchscheinenden Platten der Sprachskulptur eingraviert ist, seine Schatten und Reflexionen zeigen sich vieldeutig lesbar und bieten mannigfaltige Ansatzpunkte zum Thema Schein und Spiegelung. Dieser initiale Impuls fordert auf, mit seinem durchscheinenden Charakter Position zu beziehen und eine neue, eigenständige Arbeit zu schaffen.

Spiegel

Ich sehe
was ich kenne.
Ich erkenne
was bekannt.
Ich erinnere
was benannt.

Ich schließe rück -
Ach Substanz!
Ich bin sprachlos,
wenn es keine Worte gibt.
Unerfasst gefasst
im Erleben.
Schein

Scheint reich
Ach leicht!
Scheint erhoben
Ach weit oben!
Scheint genial
ohne Mutter_mal.

Leuchtend hell, das Licht
ohne Schwere
ohne Mühe fern und nah
dort und da
schenkt mir der Schein einen Blick
Ach was!
Gedicht: E. Asenbaum
Schein und Spiegelung, G.A.S-station 2017 - Runde 01
Schein und Spiegelung, G.A.S-station 2017 - Runde 01
Julia Schewalie
nylon#acrylic mirror, 2017, Objekte
Nylonschnur, Acrylspiegel, Aluminium, je 50x40x6cm

Julia Schewalie setzt in ihrer Arbeit Lichtfang die Begriffe Spiegel und Schein in ein Materialbild um. Es nimmt das künstliche sowie das natürliche Raumlicht auf, wandelt es durch Spiegelungen und Reflexion in Lichtzeichnungen um, die sich bei Veränderung des Betrachtungswinkels ständig mitbewegen. Das Spiel mit der Wahrnehmung ist ein zentrales Thema der Künstlerin, sie arbeitet gezielt mit optischen Täuschungen und möchte mit ihren Arbeiten die Verbindlichkeit des Sichtbaren hinterfragen.

Schein und Spiegelung, G.A.S-station 2017 - Runde 01
Elisa Asenbaum/Thomas Maximilian Stuck
Spiegel Schein, 2017, Sprachskulptur, Gedicht: E.Asenbaum.
Acrylglas, 2 Platten je 200x80x2 cm

Das Gedicht der durchscheinenden Sprachskulptur, seine Schatten und Reflexionen, zeigen sich vieldeutig lesbar. Die Umbrüche der Gedichtzeilen sind so angelegt, dass bei flüchtigem Blick die eine Seite wie eine Spiegelung der anderen erscheinen mag. Doch der Vers "Spiegel" reflektiert über Wahrnehmung, Begriffe und Denken, hingegen "Schein" über Licht, Blendung, und Verführung. Liest man die Zeilen jedoch als durchlaufenden Text ergibt sich wiederum ein anderer Sinn.

Schein und Spiegelung, G.A.S-station 2017 - Runde 01
Schein und Spiegelung, G.A.S-station 2017 - Runde 01
Edin Bajric
Spiegel und Licht, 2009, Fotografien
Alu-Dibond je 50x75 cm

Spiegel von Edin Bajrić arbeitet mit der Umkehrung von narzisstischer Selbstbespiegelung. Der Spiegel dient hier als Schutzschild, hinter dem sich das 'nackte Selbst' verbirgt, die Reflexionsfläche hingegen ist dem Betrachter zugewandt. Im Pendant dazu spielt die Fotoarbeit Licht mit den Themen Verführung und heiliger Schein.

Schein und Spiegelung, G.A.S-station 2017 - Runde 01
Schein und Spiegelung, G.A.S-station 2017 - Runde 01
Michael H. Rohde
nietzsche haus, einstein haus, Fotokompositionen
Pigmentierte Inkjet-Print auf Alu-Dibond, 140x109 cm, 79x146 cm

Michael H. Rohde untersucht in der Subreihe GESCHICHTSTRÄCHTIGE RÄUME die Wohn- und Arbeitsräume historischer Persönlichkeiten der Kunst und Wissenschaft. Ein Blick von unten, als würde man durch die Decke hindurch sehen, Trennwände und Einrichtungsgegenstände schweben bodenlos im Raum und sind von der Unterseite zu betrachten. Die scheinbare fotografische 'Aufnahme' suggeriert eine geometrisch mögliche Perspektive und zugleich irritieren die einzelnen Elemente, die leicht verschoben, gedreht, gekippt oder mit nicht zusammenpassender Lichtsetzung zu gondeln beginnen. Das Zusammenspiel von geistigem Erbe der ehemaligen Bewohner (Einstein und Nietzsche) und deren dargestellten Wohnräumen eröffnet assoziativ weitläufige Bezüge.

Schein und Spiegelung, G.A.S-station 2017 - Runde 01
Schein und Spiegelung, G.A.S-station 2017 - Runde 01
Helga Wimmer
Vor und hinter der Zeit – Zeitbilder und Zeiträume, 2017, Installation
Fotografie hinter Acrylglas, Glaswürfel in Stahlgehäuse Fotografien je 20x20 cm, Glaswürfel: 6x6x6 cm. Ausgangsbildmaterial: Stadtarchiv Stuttgart.

In der Installation Vor und hinter der Zeit – Zeitbilder und Zeiträume werden Bilddokumente verschiedener Zeiten von ein und demselben geschichtsträchtigen Ort verschmolzen. Ausgangspunkt sind die Bild- und Textdokumentationen eines Schaukastens der Gedenkstätte Zeichen der Erinnerung in Stuttgart. Sie zeigen Deportierte eines Sammellagers, die im Jahr 1941 nach Riga transportiert wurden. Die Künstlerin benutzt die Spiegelung auf den Glasflächen der Schaukästen als Transporteur für die Thematik. Das gleichzeitig durchscheinende wie spiegelnde Material Glas verwebt Bilder der Vergangenheit und Gegenwart in einer Bildebene, fusioniert den festgehaltenen Augenblick der Gegenwart – Häuser, Schienen oder spazierende Frauen – mit Menschen aus der Vergangenheit und erschafft einen neuen, gemeinsamen 'Zeitraum'.

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